Legasthenie

Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche/LRS) tritt in unterschiedlicher Ausprägung auf.

Die Auswirkungen treten meistens schon in der Grundschulzeit in Erscheinung, manchmal erst in der weiterführenden Schule, zum Beispiel beim Fremdsprachenerwerb.

Woran können Sie Legasthenie erkennen?

„Ist mein Kind zu jung, um jetzt schon von Legasthenie zu sprechen?“ – Nein! Gerade ganz am Anfang der Lese- und Schreibkarriere kann noch mit relativ wenig Aufwand gegengesteuert werden. Wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich in Ihrer Situation um eine ernstzunehmende Problematik handelt, helfen Ihnen möglicherweise die folgenden Informationen.

Hilfe ist möglich!

Legasthenie wird auch als Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) bezeichnet. Die Schwierigkeiten können einen Schwerpunkt in den Bereichen Schreiben oder Lesen haben. Es können beide Bereiche auffällig sein oder nur einer von ihnen. Die Probleme können auch erst bei dem Erlernen einer Fremdsprache auftreten, z.B. durch gehäufte Rechtschreibfehler im Englischen.

Indizien für Legasthenie im Bereich Schreiben:

  • Hohe Fehlerzahl bei ungeübten Diktaten
  • Einzelne Wörter werden in unterschiedlichen Variationen geschrieben – Beispiel: Seife wird einnmal zu Saive, ein anderes Mal zu Seihwe
  • Einzelne Buchstaben werden verwechselt
  • Das Abschreiben von Texten bereitet Schwierigkeiten, erfolgt langsam oder ist fehleranfällig.

Indizien für Legasthenie im Bereich Lesen:

  • Der Schüler kann nur mit Unsicherheiten etwas vorlesen – Beispiel: er springt zur falschen Zeile weiter, lässt Text versehentlich aus oder wiederholt dieselbe Zeile
  • Schwierigkeiten, das Alphabet richtig aufzusagen oder einzelne Buchstaben richtig zu benennen – Beispiel: b und d werden verwechselt
  • Unlust oder Weigerung, selbst etwas zu lesen oder vorzulesen
  • Gelesenes anschließend mit eigenen Worten wiederzugeben oder zu erläutern, fällt schwer. Beispiel: Fragen über eine durchgelesene Geschichte werden aus der eigenen Fantasie oder mit Allgemeinwissen beantwortet statt mit den geschriebenen Informationen aus dem Text.

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Wie häufig kommt LRS vor? Die Angaben über die Häufigkeit der Legasthenie bewegen sich zwischen 5 und 10% aller Kinder, die erhebliche Probleme beim Erwerb der Schriftsprache haben. Jungen sind etwa zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Die Schwierigkeiten treten unabhängig von sozialem Hintergrund und Bildungsniveau der Eltern auf.
Auch im Erwachsenenalter haben etwa 4 bis 6% noch nicht das Lese-Rechtschreibniveau von Viertklässlern erreicht. Das bedeutet, dass Lese-Rechtschreibschwierigkeiten sich nicht einfach “auswachsen”, sondern ohne Intervention über die gesamte Entwicklung hinweg stabil bleiben.

Wie sieht der weitere Entwicklungsverlauf von Kindern mit LRS aus?

Im Hinblick auf die weitere schulische Entwicklung besteht die Gefahr, dass die Schüler auch in anderen Schulleistungsbereichen zusehend schlechter abschneiden. Im schulischen Bereich drohen Kindern mit LRS erhebliche Nachteile, nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch in anderen Fächern, da nahezu die gesamte schulische Wissensvermittlung schriftsprachlich abläuft. Beispiel sind Textaufgaben im Fach Mathematik, mit denen viele Schüler Schwierigkeiten haben. Bei Bestehen einer LRS-Problematik ist dies verstärkt der Fall und in den weiterführenden Klassenstufen können deshalb Misserfolge in Mathematik folgen. Untersuchungen haben insgesamt gezeigt, dass Personen mit LRS im Vergleich zu ihren allgemeinen kognitiven Fähigkeiten ein geringeres Schulabschlussniveau erreichen und auch ein niedrigeres Berufsausbildungsniveau; im Erwachsenenalter ist die Rate der Arbeitslosigkeit bei den Betroffenen signifikant erhöht.

Schon im Kindes- und Jugendalter besteht das ernst zu nehmende Risiko, dass es zusätzlich zur LRS zu psychischen Begleitstörungen kommt. Kinder mit LRS weisen häufig auch andere Entwicklungsstörungen auf, die z.T. bereits im Vorschulalter diagnostizierbar sind. So weisen z.B. 60 bis 80% der Kinder Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache auf. Als weitere psychische Begleiterscheinungen lassen sich ein geringeres Selbstwertgefühl, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, allgemeine Lern-Leistungsprobleme, emotionale Symptome wie Schulangst, Versagensangst und depressive Verstimmungen sowie Störungen im Sozialverhalten und Disziplinschwierigkeiten beobachten.

Je früher eine Förderung erfolgt, desto größer sind auch die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation. Die Intervention kann auch im Erwachsenenalter noch Aussicht auf Erfolg bieten und ist insbesondere anzuraten, wenn die als persönliches Unvermögen erlebte Lese-Rechtschreibschwäche das berufliche Fortkommen und/oder das Selbstwertgefühl beeinträchtigt und die Themen Lesen oder Schreiben ansonsten beispielsweise dauerhaft mit Gefühlen von Unsicherheit und Scham verbunden bleiben würden.